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Edition "REMEMEBER THEM!"

 

"Botanische Illustrationen ermöglichten der Wissenschaft den Zugriff auf ein vergängliches Objekt der Pflanzenwelt unabhängig von Zeit und Raum. Die präzise Darstellung vertrat die jeweilige Pflanze, sei es, weil sie in anderen Erdteilen heimisch und einer unmittelbaren Untersuchung nicht zugänglich war, oder weil sie als Anschauungsobjekt losgelöst von ihrem natürlichen Lebenszyklus Wissenschaft und Lehre - und interessierten Laien zugänglich gemacht werden sollte. In der Serie „Remember them!“ habe ich Versatzstücke der Botanischen Illustration aufgegriffen, indem ich die Pflanzen vor einem neutralen Hintergrund zeige, den botanischen Pflanzennamen, sowohl Fundort als auch Fundzeitpunkt im Bild festhalte. Es geht jedoch nicht um botanische Korrektheit, sondern vielmehr um den subjektiv festgesetzten, dokumentarischen Wert des entstehenden Bildes. Der Gedanke des Dokumentarischen zielt dabei weniger auf das Verfügbarmachen der Pflanze unter Umgehung ihrer Vergänglichkeit oder ihrer geografischen Verortung ab, sondern folgt einer subjektiven Dramaturgie des Erinnerns. Und so reflektiert diese Serie den fortschreitenden Verlust von biologischer Diversität und bricht die globale Bedrohung der Klimakatastrophe auf den Mikrokosmos des individuell erfahrbaren Gartenraumes herunter. Aus einem wissenschaftlich-künstlerischen Instrumentarium des objektiven Vergegenwärtigens wird ein subjektives fotografisches Laboratorium des Erinnerns."

Diese Bilder-Serie wurde im September 2023 erstmals in einer Ausstellung im Rahmen des Münchner Flower Power Festivals gezeigt.

Edition „Solastalgia“

 

Diese Serie von 11 Motiven ist mit dem im Jahr 2005 vom Australier Glenn Albrecht eingeführten Begriff „Solastagia“ überschrieben. Dieser Neologismus setzt sich aus den Begriffen ‚solacium‘ (lateinisch: Trost) und dem altgriechischem Wort ‚algos‘ für Schmerz zusammen und wurde von Albrecht konstruiert, um den psychischen Stress und Schmerz zu beschreiben, den Einwohner des Hunter Valley angesichts der Zerstörung ihrer Heimat durch den sich massiv ausbreitenden Kohlebergbau empfanden. 

Mit dieser Wortschöpfung versuchte Albrecht also, das schmerzliche Empfinden begrifflich zu fassen, das sich einstellt, wenn sich die uns umgebende Natur unwiederbringlich verändert, wenn Landschaften angesichts von Dürre, Feuersbrünsten, Hochwasser und anderen Folgen des Klimawandels für immer ihr vertrautes Gesicht verlieren. Wir werden heimatlos, nicht weil wir das Land unserer Herkunft verlassen, sondern weil sich dieses Land und seine Landschaften so verändert, dass wir es nicht mehr als vertraut und tröstend wahrnehmen können. Ein Gefühl des Verlustes und der Entwurzelung sind die Folge für das einzelne Individuum aber auch für ganze Bevölkerungsgruppen, deren Heimat als Konsequenz der Klimakatastrophe unwiederbringlich zerstört wurde. 

Was bleibt, ist die Sehnsucht nach dem verlorenen “Paradies“. In den Bildern der Serie werden Momentaufnahmen vorgestellt, die wie es scheint, einer fernen Erinnerung entrissen wurden. Versammelt werden sowohl Motive, die einzelne Blüten zeigen, aber auch parkähnliche Szenerien oder Seerosen auf einem Teich. Wie längst vergangene Wahrnehmungsschnipsel setzen sich die einzelnen Motive zu einer Art Gedächtnis-Protokoll zusammen, dem die Farben abhandengekommen sind. So tauchen Texturen und Formen aus kühlen, bleiernen Blautönen auf, als gelänge es dem Prozess des Erinnerns nur mit Mühe, diese einst realen Bilder wieder vor unser geistiges Auge zu holen. Unabhängig von einer spezifischen Festlegung des erinnerten Ortes scheint mit den Erinnerungen auch einen Schmerz an die Oberfläche befördert zu werden, der sich aus bereits erlebtem Verlust aber auch aus der Angst vor kommenden Verlusten speist.

Auch diese Bilder-Serie wurde im September 2023 erstmals in einer Ausstellung im Rahmen des Münchner Flower Power Festivals gezeigt.